Montag, 15. Juli 2019

Ein Ticket für alle/s


Weil momentan grad eine interessante Diskussion über ein richtig günstiges, österreichweit gültiges Öffi-Ticket für alle Bus-, Bahn- und Bim-Angebote und für alle BezieherInnengruppen läuft, möcht ich ein paar Dinge zusammenfassen, die in den vergangenen Jahren gelungen sind bzw. woran wir noch scheitern.


FLATRATE IN DEN BUNDESLÄNDERN

In Wien, Vorarlberg und Innsbruck (dort wo Grüne für die Mobilitätspolitik regierungsverantwortlich sind) gibt es bereits funktionierende Flächentickets nach dem Flatrate-Prinzip (ein Pauschalpreis fürs ganze Jahr für alle Öffis für alle NutzerInnengruppen).
https://www.newsroom.pr/at/vvt-tarifreform-positive-zwischenbilanz-nach-stufe-1-14471

In anderen Bundesländern gibt es solche Angebot bisher nur für SchülerInnen, Lehrlinge, Studis und/oder SeniorInnen.

Wir haben bereits dafür gesorgt, dass diese Flächentickets bundesländerübergreifend kombiniert werden können (wer zB ein Vorarlberger Maximo und ein Tiroler Jahresticket hat, kann das einfach kombinieren) bzw. dass ÖBB-Einzelfahrten an den Verbundgrenzen drangestückelt werden können.
https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-motor/oeffi-fahrt-ohne-halt_a2049702

Wenn wir eine österreichweites Öffiticket wollen, brauchen wir Flaterates für alle NutzerInnen in allen Bundesländern.


TECHNISCHE VORAUSSETZUNGEN

Für den Vertrieb und das sogenannte Clearing im Hintergrund (die Verrechnung der Einnahmenanteile zwischen den Verbünden bzw. Verkehrsträgern) brauchen wir nicht nur faire, wasserdichte Verträge, sondern auch digitale Infrastruktur. Auch daran arbeiten einige ExpertInnen und PolitikerInnen aus den Bundesländern schon seit Jahren und haben die Basis für ein Österreich-Ticket geschaffen.

Herzstück des Vertriebs ist dabei der Ticketshop WILDSPITZE, den ÖBB, der Tiroler Verkehrsverbund und die Innsbrucker Verkehrsbetriebe gemeinsam erarbeitet haben und in den bis Ende 2019 alle anderen Verbünde als Partner integriert werden sollen. Vorarlberg ist jetzt schon mit dabei!
https://www.newsroom.pr/at/vvt-tarifreform-stufe-2-per-1.4.-neuer-vvt-ivb-ticketshop-geht-online-14634


ANGEBOT BRAUCHT MENSCHEN UND GEFÄßE

Als Gefäße bezeichnen die Öffi-Experten die Fahrzeuge, egal ob Bus, Bahn oder Bim. Die brauchen wir, um das notwendige Angebot für zusätzliche Fahrgäste auf den gut erschlossenen Achsen bereitzustellen bzw. auch um weiße Flecken auf der Öffi-Landkarte abdecken zu können.
Wir setzen in weniger urbanen Räumen auch zunehmend auf Mikro-ÖV (bedarfsgerecht eingesetzte Kleinbusse). https://www.newsroom.pr/at/taxi-bitte!-oeffis-auf-abruf-in-osttirol--14177

Bei jeder Angebotserweiterung oder auch Preissenkung muss mitbedacht werden, dass der Vorlauf für neue Zug- und Straßenbahngarnituren ungefähr fünf Jahre, für neue Busse in der Hauptverkehrszeit (da wo praktisch alles Verfügbare bereits im Einsatz ist) rund ein Jahr beträgt.
Auch hier haben viele Verbünde und auch die ÖBB bereits vorgesorgt, aber selbst wenn der Beschaffungsvorgang bereits im Finale ist, die neuen Garnituren für Tirol zB kriegen wir erst (!) nächsten Sommer geliefert.
https://www.tirol.gv.at/meldungen/meldung/artikel/aktuelles-aus-der-regierungssitzung-24/ 

Was mittlerweile eine zusätzliche Herausforderung darstellt, sind die fehlenden Arbeitskräfte in allen Bereichen der öffentlichen Verkehrsdienstleistung. Von den PlanerInnen bis zu den FahrerInnen, dem technischen Personal bei der Bahn bis hin zum Servicepersonal - jede Menge Jobs verfügbar und zu wenige Menschen, die sich dafür interessieren bzw. die notwendige Ausbildung mitbringen.


GRATIS GIBT'S NICHTS

Wenn jetzt plötzlich viele meinen, "Gratis-Öffis" wären die einfachste Maßnahme für wirksamen Klimaschutz, dann haben sie recht, aber noch nicht die ganze Geschichte erzählt. Gratis gibt es nämlich nicht, denn wenn der Fahrgast den Unkostenbeitrag für die Fahrzeuge, die Löhne und Gehälter, die Treibstoff- oder Energiekosten usw. nicht entrichten soll, dann wird es die SteuerzahlerIn tun müssen.

Das muss uns allen klar sein: Wenn wir ein preislich attraktives Österreich-Ticket für alle und alles haben wollen, kostet das richtig viel Steuergeld! Ich bin absolut dafür, das in die Hand zu nehmen und ordentlich in den Öffentlichen Verkehr zu investieren, denn für mich ist funktionierender, flächendeckender ÖV ein Beitrag zur Daseinsvorsorge.
https://www.tirol.gv.at/meldungen/meldung/artikel/ein-jahr-vvt-tarifreform/

Nur da muss dann auch der Bund, die nächste Bundesregierung endlich klotzen, nicht kleckern! Die fünf (die beiden ExpertInnen #6 und #7 nicht mitgemeint) VerkehrsministerInnen, mit denen ich in den vergangenen sechs Jahren zusammenarbeiten durfte, haben die notwendigen Mittel bisher nicht bereitstellen können. Und so lange die Steuerhoheit beim Bund ist, können wir seitens der Bundesländer mittelgroße Schritte setzen und das notwendige Geld aus unseren Landesbudget rausquetschen, aber für den großen Wurf braucht es dauerhaft abgesicherte zusätzliche dreistellige Millionenbeträge im Bundesbudget für den öffentlichen Verkehr.

Woher nehmen? Ganz einfach eine ökosoziale Steuerreform umsetzen: Weg mit den Steuerprivilegien für Diesel und Kerosin, Einführung einer CO2-Steuer und Reform der PendlerInnenpauschale samt Ökobonus und dann die zusätzlichen Einnahmen für eine echte Revolution im öffentlichen Verkehr einsetzen.

Die PartnerInnen in den Bundesländern, bei den Verkehrsverbünden, bei den Verkehrsunternehmen stehen alle bereit und haben schon viel vorbereitet. Was es braucht ist ein eindeutige Prioritätensetzung der nächsten Bundesregierung!


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