Donnerstag, 18. Februar 2016

Freiheit bekommt man nicht geschenkt




Es gibt für jedes schwierige Problem eine einfache falsche Lösung. Daran leidet die repräsentative Politik in Österreich und darüber hinaus. Die vermeintlichen alten Sicherheiten scheinen verloren und die Freiheit ist vielen Menschen zu riskant. Aus der Unsicherheit heraus, wie es denn weitergehen könnte in den Existenzfragen um Verteilung von Ressourcen, Chancen und Wohlstand, der Gewährleistung von Sicherheit, Freiheit und Frieden, verabschieden sich Etliche wütend aus dem demokratischen Diskurs. Oft sind diese Menschen aus ihrer Sichtweise zu Recht wütend, machen aber die Falschen dafür verantwortlich, dass die Löhne langsamer steigen, als die Mieten und die Preise und dafür, dass immer weniger Menschen immer mehr besitzen und immer mehr Menschen immer weniger. Es liegt an uns, den Zuversichtlichen, den Mutigen, den Solidarischen, weiterhin im Dialog mit den Verunsicherten zu bleiben. 

Was kann ich an der Stelle, um die ich mich am Freitag bewerbe, dazu beitragen? Ich habe mich vor rund 10 Jahren für aktives politisches Engagement entschieden, weil mir Motzen zu wenig war und ich an der notwendigen Veränderung mitarbeiten will. Ich habe mich für eine grüne Regierungsbeteiligung in Tirol stark gemacht, weil ich gestalten will und nicht nur kommentieren.  Nun bringe ich die Erfahrung einer seit drei Jahren Regierenden mit und übe täglich, meinen persönlichen politischen Kompass mit den Wünschen meiner eigenen Partei und mit jenen unseres Koalitionspartners abzustimmen. Es ist oft nicht einfach, aber immer lohnend, die Balance zwischen den unterschiedlichen Interessen zu suchen, um zu zeigen, dass die Utopie von einer solidarischen, fairen und nachhaltigen Gesellschaft mit Leben gefüllt werden kann. Diese Arbeit braucht ein starkes Rückgrat und einen langen Atem, bringt dann aber sichtbare Erfolge, wie zum Beispiel die Grundsatzerklärung der Tiroler Landesregierung zur Flüchtlingspolitik in Tirol. 

Wir trauen uns auch unpopuläre Maßnahmen zu setzen, wenn sie gut für die BürgerInnen sind, wie den Luft-100er auf der Inntalautobahn. Wir schützen unsere wertvollsten Naturräume vor der unwiederbringlichen Zerstörung, wie die Kalkkögel bei Innsbruck oder die Isel in Osttirol. Und mit uns Grünen gibt es keinen Sozialabbau auf Kosten jener ohne starke Lobby, wie das in Oberösterreich leider der Fall ist.

Ich glaube, dass wir Grüne die konstruktiven Teile der ÖVP und der SPÖ dazu bringen können, mit uns gemeinsam vernünftige Politik zu machen, die sich nicht von den blauen, schwarzen und roten Rechten treiben lässt. Mit meiner Erfahrung der letzten Jahre kann ich einen wichtigen Blickwinkel in die Arbeit der österreichischen Grünen einbringen. In einer Zeit, in der die Gesellschaft immer weiter auseinander driftet, braucht es dringend Menschen, die Brücken bauen und verbinden können. Offenheit und Dialogfähigkeit entstehen aus Bewusstheit und Sicherheit in der eigenen Haltung. Ich bin mir sicher in meinem Traum von einem guten Leben für alle. Ich bin davon überzeugt, dass Ressourcen und Chancen fair verteilt werden können und Menschenrechte für alle uneingeschränkt gelten müssen. Und ich glaube an die internationale Solidarität.

Unser Gestaltungsanspruch in der Umwelt-, in der Klima- und in der Mobilitätspolitik ist ungebrochen. Heute gilt es besonders, in gesellschaftspolitischen Fragen durch Dialog und Begegnung Haltung zu zeigen und Freiheiten selbstbewusst einzufordern: Für eine faire Verteilung von Ressourcen und Chancen, für einen humanen Umgang mit Menschen in Not, für ein Selbstbestimmungsrecht für alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung und viele mehr.

In der offenen und engagierten Diskussion über diese Ansprüche und Freiheiten gewinnen wir auch jene zurück, die sich verunsichern und verführen haben lassen. Dafür will und dafür werde ich kämpfen. 

Montag, 15. Februar 2016

Mein Modell für den Umgang mit schutzsuchenden Menschen

Die Außenminister Mock und Horn durchschneiden im Juni 1989 den Grenzzaun zwischen Österreich und Ungarn.


Ich bin gebeten worden, meine Position zum Umgang mit den Flüchtlingen in Europa ausführlicher als im letzten Blogpost zu erklären. Das mach ich gerne: 

Status quo ist, dass es stichprobenartige Grenzkontrollen in den Zügen gibt, die von Italien nach Österreich fahren. Wenn ein Szenario eintreten sollte, in dem deutlich mehr Menschen als jetzt ihren Weg nach Norden über den Brenner fortsetzen wollen, dann müssen wir in erster Linie sicher stellen, dass diese Kontrollen menschenwürdig durchgeführt werden. Wenn wir auf der Route nach Norden schon in Südtirol Unterbringungsmöglichkeiten haben, wo Menschen zur Ruhe kommen können, sich orientieren können und wo wir ihnen bei der Einschätzung helfen können, ob ihr Zielland für sie erreichbar ist, wie es erreichbar ist und welche Alternativen es dazu gibt, dann werden wir keine stärkeren Kontrollen am Brenner brauchen.

Wenn wir am Brenner kontrollieren, darf das nicht dazu führen, dass Menschen mit dem behördlichen Erfassen ihrer Identität die Chance auf einen legalen Aufenthalt in ihrem Zielland verlieren. Viele Menschen versuchen schon jetzt Kontrollen zu umgehen, weil sie Sorge haben, bei einem behördlichen Kontakt in einem anderen Land wieder dorthin zurückgebracht zu werden, wo sie auf EU-Boden den ersten Kontakt zu einer Behörde hatten. Diese Umgehung der Kontrollen bringt diese Menschen in große Gefahr und führt zu furchtbaren Tragödien wie den über 70 Menschen, die im August des Vorjahres im Burgenland auf der Ladefläche eines Lasters erstickt sind. Das ist aber nur ein Bruchteil jener Anzahl an Menschen, die im Mittelmeer ertrinken - und zwar täglich.

Erstes Ziel muss also das Schaffen legaler Wege nach Europa und dort in das Zielland der Flüchtlinge sein. Ein solidarisches Europa zwingt Menschen nicht mittels Quote in bestimmte Länder, sondern es gilt die Reisefreiheit. Ein solidarisches Europa beteiligt sich aber auch finanziell an den Herausforderungen, die viele neue BürgerInnen für ein Zielland bedeuten. Und ein solidarisches Europa startet keinen Wettbewerb nach dem unattraktivsten Sozialsystem, sondern definiert gemeinsam Mindeststandards, so dass sich niemand mittels unmenschlicher gesetzlicher Härten gegen Flüchtlinge aus der solidarischen gemeinsamen Verantwortung ziehen kann. 

Ich plädiere für ein zweistufiges Verfahren: Die Menschen fragen, wo sie herkommen, warum sie unterwegs sind und wohin sie wollen. Und ihnen dann dabei behilflich sein, einen legalen Weg dort hin zu finden. Das kann die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino schaffen, deren gesamte Geschichte eine der Überwindung von Grenzen ist. Das kann aber auch ganz Europa schaffen: Nämlich dann, wenn wir keinen Wettbewerb nach unten bei den Menschenrechten starten, sondern gemeinsame Standards definieren und umsetzen. Dann werden neu ankommende Menschen nämlich ganz von selber dort hingehen, wo sie gute Chancen haben. Und das sollte, wenn es nach mir geht, überall in Europa der Fall sein. 

Freitag, 12. Februar 2016

Zusammenhalt statt Grenzzäune

Wie sinnvoll sind Grenzkontrollen am Brenner? 

Mein Wunsch und unser Ziel muss eine gemeinsame Europäische Flüchtlingspolitik sein, darunter verstehe ich europaweit einen einheitlichen und menschenrechtskonformen Umgang mit Menschen auf der Flucht und einen Europäischen Flüchtlingsfonds, in dem die Kosten, die Einzelstaaten durch die Aufnahme von Flüchtlingen entstehen, gemeinsam getragen werden. Wenn das gelingt, spricht nichts mehr gegen Registrierungen. Betrachten wir diese Frage bewusst aus der Perspektive eines Menschen auf der Flucht: Wenn ich zu meiner Familie fliehen will, die bereits in Schweden ist und ich mit einer Registrierung in Österreich oder Italien jede Chance verliere, legal nach Schweden zu kommen, dann werde ich die Registrierung zu umgehen versuchen. Wir wissen, zu welchen Dramen das im Mittelmeer oder auf der burgenländischen Autobahn geführt hat und führt. Ich bin dafür, Menschen gut zu versorgen und aufzunehmen und sie für eine eigenständige Zukunft zu ermächtigen. Dabei kann eine Registrierung, ein Wahrnehmen der Person als Mensch mit Gesicht und Geschichte, behilflich sein. Als Abschreckungsinstrument halte ich Grenzzäune für absolut ungeeignet.

Was bedeutet das für die Euregio?

Ich würde mir wünschen, dass wir den Menschen schon vor dem Brenner Angebote für eine Unterkunft und für eine Orientierung machen können, was das Ziel ihrer Flucht ist und unter welchen Umständen es möglich ist, dort hin zu kommen. Bis dahin wünsche ich mir, dass wir die vielen positiven Erfahrungen mit der Freiwilligenhilfe in Tirol nutzen und unseren Südtiroler KollegInnen zur Verfügung stellen, damit wir den Menschen auf der Flucht einen ruhigen und erholsamen Zwischenstopp auf ihrer Reise ermöglichen können. Wir organisieren mit enormem Aufwand den hürdenlosen Transport von Gütern und von Waren quer durch Europa. Mir ist die Reisefreiheit für Personen mindestens so wichtig, wie jene für Waren. Solidarität bedeutet für mich, füreinander da zu sein, wenn es besonders schwierig ist. Die Euregio muss mehr sein als ein Schönwetterverein!