Freitag, 22. Januar 2016

Perspektivenwechsel zur Tarifreform

Am "Autofreien Tag" im September waren heuer alle Öffis gratis. Ich hab das genutzt, um in der Stadt Werbung für unsere Busse, Züge und Straßenbahnen zu machen. Hier vor der HTL Anichstraße.


Die Rollen sind klar verteilt: Die Opposition schreit möglichst bald nach möglichst günstigen Tickets für möglichst viele TirolerInnen. Wir Grüne erklären, dass wir schon große und sehr Öffi-affine Gruppen entlastet haben und dass wir alles in unserer Macht stehende tun, um bald günstige Jahrestickets für alle anzubieten. Die beharrenden Kräfte in diesem Prozess zur Tarifreform harren der Dinge, die da kommen. Aber wie schauen, diese Verhandlungen, die ich immer als Argument für die Komplexität der Einführung ins Treffen führe, eigentlich konkret aus? Ich möchte einen Perspektivenwechsel anbieten. Der scheint mir gerade deswegen wichtig, weil das nicht sehen und nicht wahrnehmen wollen anderer Positionen und Bedürfnisse etwas ist, woran es meiner Meinung nach grundsätzlich fehlt. An dieser Stelle ein kräftiges #refugeeswelcome, wenn auch andere Baustelle.

Mein Perspektivenwechsel beschreibt den Blick eines mittelgroßen Verkehrsunternehmers am Land, der mit einer Hand voll Bussen ein paar Mal am Tag in ein Tal rein und aus einem Tal raus fährt. Bis vor drei Jahren haben fast alle, die nicht SchülerInnen am Schulweg waren, beim Busfahrer oder bei der Busfahrerin bezahlt, der hat das Geld am Abend zurück in die Zentrale gebracht und dort konnte man sich ausrechnen, ob sich die aktuellen Linien rechnen und ob man bei den aktuellen Preisen genug Gewinn macht, dass das Unternehmen davon leben und seine MitarbeiterInnen ordentlich bezahlen kann. Seit 2012 zahlen viele SeniorInnen nicht mehr im Bus, sondern ein Mal im Jahr beim Verkehrsverbund Tirol für ihr Jahresticket und das lokale Verkehrsunternehmen bekommt das Geld dafür vom VVT ersetzt. Seit Sommer 2013 zahlen viele SchülerInnen und Lehrlinge auch in ihrer Freizeit nicht mehr im Bus, sondern fahren mit einem günstigen Jahresticket auch außerhalb ihrer Alltagswege - wieder unmittelbare Einnahmenverluste für das lokale Unternehmen. Und seitdem im Herbst 2014 auch die meisten Studierenden auf preiswerte Jahrestickets umgestiegen sind und kaum mehr Einzelfahrten lösen, gibt's noch weniger unmittelbaren Erlös. Natürlich werden diese unmittelbaren Einnahmenverluste vom Verkehrsverbund Tirol abgegolten. Aber das heißt Verhandlungen und Bürokratie und Anträge und Abhängigkeiten. Und wenn wirklich so viel mehr Leute ab 2017 die neuen preiswerten Tickets kaufen, brauch ich dann einen zusätzlichen Bus? Und wer zahlt die Anschaffung?
Kurzum: Die Verkehrsunternehmen, haben sehr viel vorzubereiten und zu planen, wenn neue preiswerte Pauschaltickets für große Öffi-NutzerInnengruppen angekündigt werden. Damit alle Beteiligten für die Verhandlungen tiptop vorbereitet sind und ein Mehrwert für alle das Ergebnis ist. Schon jetzt sind die meisten Verkehrsunternehmen kooperativ und freundlich und sehen, dass mehr Öffi-NutzerInnen unterm Strich auch ihnen langfristig helfen.


Von all jenen, die zustimmen müssen, damit die Tarifreform gelingt, bin ich als Mobilitätslandesrätin jene mit dem größten Interesse an einem Gelingen. Die Strukturverhandlungen sind abgeschlossen und wir wissen jetzt im Land, wie das Angebot in etwa aussehen soll. Die Details verhandeln wir jetzt mit der Finanzabteilung im Land und mit den Verkehrsunternehmen. Ich bin zuversichtlich, dass wir 2016 die Beschlüsse fassen und 2017 die ersten Tickets anbieten können. Aber ich wehre mich gegen die Darstellung, man müsste die Tarifreform einfach nur beschließen. Wer so tut, als wäre das möglich, kennt sich entweder nicht aus, oder will die Menschen in Tirol bewusst für blöd verkaufen. 

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