Donnerstag, 15. Mai 2014

Ich wähl' Michel

Foto: Super Fi

Das klingt jetzt sicher alles total frustrierend und kompliziert und nach ganz vielen Bedrohungen für ein Europa, wie wir uns das vorstellen. Aber ich sag euch, ich hab Lust auf diese Arbeit im Europäischen Parlament. Ich hab Lust, denen auf die Nerven zu gehen, die lieber hinter verschlossenen Türen verhandeln wollen und ich hab Lust darauf, lästig zu sein, damit die hohen sozialen Standards der Union nicht nur gesichert, sondern ausgebaut werden können.“ 

So hat Michel Reimon die Vorstellung seines gemeinsamen Buches mit Robert Misik letzte Woche in Innsbruck beendet. Das vorneweg kennt ihr schon: Ein Freihandelsabkommen, bei dem Firmen klagen dürfen, wenn sie durch neue Gesetze ihre ArbeiterInnen oder die Umwelt besser behandeln müssen? US-Lebensmittelstandards für den europäischen Markt? Keine sonderlich guten Ideen, wie ich finde.

Dagegen wäre es eine besonders gute Idee, bei der EU-Wahl am 25. Mai die Grünen zu wählen und dem Michel Reimon seine Vorzugsstimme zu geben. Der Michel ist nämlich ein ganz cleverer, integrer Typ, der ganz kluge Bücher schreiben kann. Dem Michel trau ich zu, sich nicht nur mit Engagement in die tiefsten Aktenberge einzugraben, sondern auch dort Dinge zu finden, die aus ökologischen oder sozialen Gründen entschärft oder geändert werden müssen. Und der Michel ist ein Politiker mit der ganz seltenen Begabung, komplexe Inhalte ohne Verfälschung einfach zu erklären. So wie hier, in seinem Beispiel aus diesem tollen Text zum Umgang mit Flüchtlingen:

Die Sache ist so: Wenn ich mit dem Auto fahre, und ein Mensch läuft plötzlich quer über die Straße, dann bremse ich, um ihn nicht zu rammen. Ich frage nicht erst, warum er über die Straße läuft ... ich will ein Menschenleben retten, also bremse ich. Europa sollte sich auch so verhalten. Wenn Menschen auf der Flucht krepieren, ist zweitrangig, welche Rolle ihre Regime, ihre Eliten oder ihre koloniale Vergangenheit spielen – wichtig ist, ob Europa jetzt etwas tun kann, um das zu ändern. Darum geht's.“
Also: ich wähl Michel Reimon. Und wen wählst du?
P.S.: Ich hab dich nicht überzeugt? Vielleicht überzeugen dich Elias Bierdel, Barbara Frischmuth und Monika Langthaler.