Donnerstag, 6. Februar 2014

Rücksicht nehmen





Es ist ein bißchen viel Desinformation, die manche unserer wichtigsten politischen Debatten dominiert. Da wird in einem Leserbrief fantasiert, dass ein Auto mit 100 km/h umweltschädlicher sei, als mit 130 km/h. Dort behaupten KritikerInnen der mit Bundesminister Rupprechter und allen Bundesländern akkordierten Natura 2000-Nachnominierungen, Naturschutz koste hunderte Arbeitsplätze. Dabei geht’s in all diesen Fragen meines Erachtens um eine ganz einfache Entscheidung: Sind wir alleine auf der Welt und leben nach dem kollektiven Motto „Nach mir die Sintflut“, oder gibt es eine Verantwortung, die über den eigenen Tellerrand hinausreicht.




Ihr kennt das: Man steht im Sommer vor einem Lokal, weil man zwischen Tanzen und lauten Unterhaltungen zur lauten Musik ein bißchen Auslüften möchte und eine der wenigen lauen Sommernächte in unseren Breitengraden im Freien so angenehm sind. Da kommt irgendein Bar-Angestellter und scheucht einen hinein, wegen der AnrainerInnen. Im ersten Moment Ärger darüber, dass die angenehme Ruhe als Kontrast zur lauten Musik in der Bar nicht möglich ist. Und im zweiten Moment die Erkenntnis, dass über der Bar Menschen wohnen, die vielleicht schlafen oder Ruhe haben möchten.




Ein bißchen so ist das auch in der Debatte um Tempo 100 und um den Naturschutz: Aus dem Bauch heraus fahre ich auch gern schneller und aus dem Bauch heraus mag ich Großveranstaltungen unter freiem Himmel. Aber mitgedacht, dass es auch noch andere Lebenswesen gibt und deren legitime Bedürfnisse, fällt das Rücksicht nehmen leichter. Das würde ich mir für die großen politischen Debatten dieses Jahres wünschen: Dass der Blick über den eigenen Tellerrand möglich wird. Und dass die legitimen Bedürfnisse anderer Menschen und ja, auch jene von Tieren und Pflanzen, mitgedacht werden. Alles andere wäre nämlich Rowdytum. Und um das Rowdytum in möglichst geringem Ausmaß zu halten, haben wir so etwas wie eine Demokratie und so treffen solche Entscheidungen kollektiv und verbindlich für Alle. Und im Zweifel für jene, die sich Rücksichtnahme nicht individuell erzwingen können.

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